Weltkulturerbe Eiszeithöhlen!

Am 09. Juli 2017 hat die UNESCO die Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb zum Weltkulturerbe erklärt. In den sechs Höhlen im Lonetal und Achtal wurde die älteste Kunst der Menschheit gefunden, darunter berühmte Figuren aus Mammut-Elfenbein (zum Beispiel das Vogelherd-Pferdchen oder der Löwenmensch) und die weltweit ersten Musikinstrumente. Vor über 40.000 Jahren wurden die Menschen hier erstmals schöpferisch tätig und schnitzten kostbare Schätze, die auch heute noch mit ihrer Schönheit begeistern.

Sie sind Zeugnis einer lange vergangenen Zeit, als Mammutherden über die Alb zogen und die Höhlen den Menschen Schutz vor Kälte und Raubtieren boten. Seit mehr als 150 Jahren faszinieren die Eiszeithöhlen auf der Alb die Archäologen und viele Fundstücke von unschätzbarem Wert wurden seitdem entdeckt. Besonders die Ausgrabungen des Tübinger Eiszeitforschers Nicholas J. Conard sorgten in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen. So wurde im Hohle Fels bei Schelklingen die weltweit älteste Darstellung eines Menschen entdeckt: die Venus vom Hohle Fels. Bei einer Höhlenführung oder einem Museumsbesuch können Sie sich auf die Spuren unserer Vorfahren begeben und die Schätze der Eiszeit entdecken.

Hier sind die wichtigsten Adressen für Ihren Ausflug in die Eiszeit:

Sensationelle Eiszeitfunde

Sie sind die ältesten plastischen Kunstwerke der Menschheit und wurden auf der Schwäbischen Alb gefunden: Die Vogelherdfiguren, die Venus vom Hohle Fels und der geheimnisvolle Löwenmensch.

Diese und weitere faszinierende Eiszeitfunde werden in vier liebevoll inszenierten Ausstellungen gezeigt. Hier können Sie die Originale aus der Eiszeit bewundern:

Archäopark Vogelherd

bei Niederstotzingen, Landkreis Heidenheim

Am Fuße der Vogelherdhöhle entstand ein einzigartiges Erlebniskonzept, das die Eiszeit zum Anfassen vermittelt. Begeben Sie sich in die Rolle der Eiszeitmenschen, gehen Sie auf Mammut-Jagd und erkunden Sie die berühmte Höhle. Im eindrucksvoll in die Landschaft integrierten Infozentrum warten bedeutende Funde der Eiszeitkunst, darunter das Mammut vom Vogelherd. Experten sagen, es ist das älteste, vollständig erhaltene figürliche Kunstwerk der Menschheitsgeschichte. Es beeindruckt neben Archäologen vor allem auch: Ästheten. Dass für die Herstellung des Mammuts mehr als 300 Stunden nötig waren, belegt, welche Bedeutung der Künstler dieser Figur zumaß.

Absolut einzigartig – das Mammut aus der Vogelherdhöhle


Übrigens: Im Parkcafé bekommen Sie von der Flasche EiszeitQuell bis zum selbst gegrillten Rossfeuersteak alles, was das Herz begehrt.

Hier gibt’s noch mehr Infos.

Anfahrt und Kontakt:


Archäopark Vogelherd
Am Vogelherd 1
89168 Niederstotzingen-Stetten
Tel.: 0 73 25 / 952 8000
info@archaeopark-vogelherd.de

Mehr Infos:
archaeopark-vogelherd.de
Facebook

Museum Alte Kulturen

In Tübingen

Das wunderschön gelegene Museum im Schloss Hohentübingen beherbergt mit 16 Funden aus der Vogelherdhöhle die größte Ansammlung von Eiszeitfiguren und steinzeitlichen Musikinstrumenten von der Schwäbischen Alb. Diese weltweit einmaligen Objekte sind etwa 40 000 Jahre alt und aus Mammutelfenbein oder Knochen geschnitzt. Wahrzeichen und Wappentier des Museums ist die berühmte Figur eines Wildpferdes.

Entdeckt wurde die liebevoll „Pferdle vom Vogelherd“ genannte Tierfigur 1931 vom Tübinger Archäologen Gustav Riek bei der Ausgrabung in der Vogelherdhöhle. Es ist nur knapp fünf Zentimeter lang und aus Mammutelfenbein geschnitzt.

Als ob es gerade zum Sprung ansetzen möchte – das Wildpferd vom Vogelherd

Anfahrt und Kontakt:


Museum Alte Kulturen
Schloss Hohentübingen
Burgsteige 11
72070 Tübingen
Tel.: 0 70 71 / 29 77 384
museum@uni-tuebingen.de

Mehr Infos:
unimuseum.de
Facebook

Urgeschichtliches Museum Blaubeuren

Mitten in Blaubeuren

Das "urmu" ist ein tolles Ausflugsziel für große und kleine Eiszeit-Fans. Im historischen Gemäuer wurde eine hervorragende Ausstellung eingerichtet, die die Eiszeit erlebbar macht. So können die Besucher zum Beispiel mit Steinwerkzeugen ihre eigene Ausrüstung herstellen oder in die Rolle der Archäologen schlüpfen. In den Schatzkammern sind die Fundstücke der nur wenige Kilometer entfernten Hohle Fels-Höhle ausgestellt. Hier kann man die ältesten Musikinstrumente der Welt sehen und auch hören.

 

Faszinierend schön: mamma

Bekanntestes Aushängeschild ist die Venus vom Hohle Fels, auch "mamma" genannt. Die mit 42.500 Jahren älteste Frauenfigur der Welt wurde vom Team um Professor Conard in sechs einzelnen Fragmenten ausgegraben und konnte zu einer fast vollständigen Figur zusammengefügt werden. Anstatt eines Kopfes hat sie eine Öse, da sie einst als Schmuckstück oder Anhänger getragen wurde.

Anfahrt und Kontakt:


Urgeschichtliches Museum Blaubeuren
Kirchplatz 10
89143 Blaubeuren
Tel.: 0 73 44 / 96 69 90
info@urmu.de

Mehr Infos:
urmu.de
Facebook

Museum Ulm

Am Marktplatz

Im Museum Ulm ist die größte und für viele auch spektakulärste Figur der Eiszeit zu Hause: der Löwenmensch. Er wurde meisterhaft aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzt und ist über 30 cm groß. Er hat den Kopf und die Pranken eines Höhlenlöwen, wie er in der Eiszeit auch auf der Alb lebte, dazu die Beine und den aufrechten Gang eines Menschen.

Die ersten Teile dieser geheimnisvollen Mensch-Tier-Skulptur wurden bereits 1939 im Hohlenstein-Stadel im Lonetal gefunden, doch erst viele Jahrzehnte später war klar, dass sie zusammen eine Figur ergeben. Nach weiteren Grabungen wurde im Jahr 2013 das fabelhafte Mischwesen aus hunderten Einzelstücken zu seiner heutigen Form zusammengesetzt. Der Löwenmensch gibt uns einen Einblick in die spirituelle Welt der Menschen in der Eiszeit, wobei sein Geheimnis wohl nie entschlüsselt wird. Er ist heute auch das Wahrzeichen für die Region Schwäbische Alb ("Land des Löwenmenschen").

Der Mythos von der Schwäbischen Alb

Anfahrt und Kontakt:


Museum Ulm
Marktplatz 9
89073 Ulm
Tel.: 0731 / 161 43 30
loewenmensch@ulm.de

Mehr Infos:
loewenmensch.de

Die Höhlen

Auf der Schwäbischen Alb gibt es rund 2.500 Höhlen, sechs von ihnen wurden nun in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

Drei Höhlen liegen im Lonetal zwischen Giengen und Niederstotzingen (Kreis Heidenheim) und drei im Achtal zwischen Schelklingen und Blaubeuren (Alb-Donau-Kreis).

Achtal-Höhlen

Hohle Fels

Die Höhle bei Schelklingen ist Fundort der berühmten "Venus vom Hohle Fels", die im wenige Minuten entfernten Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren ausgestellt wird. Nach einem rund 30 m langen Gang (der mit einer kleinen Brücke die berühmte Fundstelle überquert), kommt man in eine beeindruckende Haupthalle mit rund 500 m² Grundfläche. Damit ist sie die größte, öffentlich zugängliche Höhlenhalle der Schwäbischen Alb.

Mehr Infos:

Die Höhle ist vom 01. Mai bis zum 31. Oktober geöffnet. Im Winter bleibt sie zum Schutz der Fledermäuse geschlossen.

Während der Sommerferien ist der Hohle Fels an den folgenden Tagen geöffnet:
Mittwoch von 10-17 Uhr sowie Donnerstag bis Sonntag von 14-17 Uhr

An diesen Öffnungstagen kann die Höhle auf eigene Faust besichtigt werden. Die Museumsgesellschaft Schelklingen bietet werktags auch Führungen an.

Mehr Infos und Anmeldung zu einer Höhlenführung.

Geißenklösterle

Die Höhle bei Blaubeuren ist eine der weltweit wichtigsten Fundstelle für die Altsteinzeit. Hier wurden frühe Kunstwerke aus Mammutelfenbein gefunden, darunter ein Mammut, ein Bison und ein Höhlenbär. Auch eine kunstvoll gefertigte Flöte aus massiven Mammutelfenbein wurde dort gefunden. Ein detailgetreuer Nachbau hat bewiesen, dass sie einwandfrei funktioniert – anzuhören im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren.

Mehr Infos:

Das Geißenklösterle ist nur an speziellen Aktionstagen für Besucher geöffnet. Durch das Gitter kann man aber fast die gesamte Höhle sehen.

Sirgenstein

Diese Höhle bei Blaubeuren wurde über Jahrtausende genutzt – zunächst von den Neandertalern, dann von den modernen Menschen. Dies beweisen Funde von Steinwerkzeugen aus dem Eingangsbereich der Höhle. Hier versammelten sich die Menschen einst um die Feuerstellen.

Mehr Infos:

Die Höhle kann frei besichtigt werden und ist immer geöffnet.

Lonetal-Höhlen

Vogelherd

Der Vogelherd ist die Fundstelle der berühmten Figuren Pferdchen und Mammut vom Vogelherd. Diese Höhle ist integriert in den "Archäopark Vogelherd" und Teil eines abwechslungsreichen Erlebnis-Konzeptes mit Freigelände und Besucherzentrum.

Blick aus der Vogelherdhöhle

Hohlenstein-Stadel

Hier wurde der geheimnisvolle Löwenmensch entdeckt, außerdem auch der einzige Skelettrest eines Neandertalers in Süddeutschland. Das Hohlensteinmassiv in Asselfingen besteht aus drei Höhlen (Bärenhöhle, Stadel und dazwischen die Kleine Scheuer). Die Höhle ist bis zur Hälfte zugänglich, danach vergittert und nur zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar. Wanderer parken am besten beim Archäopark Vogelherd und erreichen die Höhlen in ca. 30 Minuten.

Der Hohlenstein aus der Luft

Bocksteinhöhle

Auch in dieser Höhle fanden die Menschen in der Eiszeit Unterschlupf. Dies belegen Funde von Werkzeugresten aus Stein, die den Neandertalern zugeordnet werden konnten und die bis zu 70.000 Jahre alt sind. Die Bocksteinhöhle gilt damit als der älteste Neandertaler-Siedlungsplatz in Süddeutschland. Sie ist frei zugänglich, allerdings muss ein recht steiler Anstieg gemeistert werden.

Genau wie der Hohlenstein ist die Bocksteinhöhle keine klassische Schauhöhle – die nahegelegene Charlottenhöhle mit fast 600 m Länge und faszinierenden Tropfsteinen liegt aber nicht weit entfernt und lässt sich prima in eine Wandertour der Lonetal-Höhlen integrieren.

Der Eiszeit auf der Spur

Überall in der Eiszeitregion Schwäbische Alb findet man auch heute noch die Zeichen der Vergangenheit. Die Eiszeit hat Spuren hinterlassen, die man bei einer Wanderung auf der Alb selbst entdecken kann: Höhlen, Dolinen oder Geröllfelder erzählen die Geschichten von Eiszeitjägern, Gletschermassen und Mammutherden. Entdecken Sie unsere Heimat mit neuen Augen und begeben Sie sich auf eine Wanderung in die Eiszeit. Wir haben ein paar Vorschläge für Sie ausgesucht:

Eiszeitpfade im Geopark Schwäbische Alb

Im Geopark Schwäbische Alb gibt es eine schöne Auswahl an Eiszeitpfaden, die der Alb-Donau-Kreis in einer praktischen Sammlung zusammengestellt hat. Die Tour "Eiszeitjägerpfad" geht von Blaubeuren durchs Achtal und führt auch zum berühmten Geißenklösterle, Fundort berühmter Kunst und Musikinstrumente aus der Eiszeit. Danach bietet sich ein Besuch im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren an.

Die Rundwege sind alle zwischen 6 und 15 km lang und als Halbtages- oder Tagestouren angelegt. Alle Touren liegen als PDFs zum Ausdrucken, sowie in einer interaktiven Karte samt Höhenprofil vor.

Neandertalerweg Lonetal

Ein eigener Wanderweg verbindet die wichtigsten Fundstellen der Eiszeit im Lonetal. Er führt vorbei an den drei Weltkulturerbe-Höhlen Vogelherd, Hohlenstein und Bocksteinhöhle und ist in rund 3 ½ Stunden zu erwandern. Unterwegs auf den Pfaden der Eiszeitjäger kann man den Geist einer längst vergangenen Zeit spüren. Der Wanderweg lässt sich perfekt mit einem Besuch des Archäoparks Vogelherd verbinden, der auch ein guter Ausgangspunkt für den Rundweg ist.

Mit dem Alb Guide auf den Spuren der Eiszeit

Auf der mittleren Schwäbischen Alb im und um das Biosphärengebiet empfiehlt sich eine Eiszeit-Tour mit den Alb-Guides. Die Alb-Guides sind ausgebildete Natur- und Landschaftsführer und kompetente Begleiter für außergewöhnliche Erlebniswanderungen. Zusammen mit EiszeitQuell und dem Geopark Schwäbische Alb haben sie die Eiszeit-Touren ins Leben gerufen. Hier folgt man den Spuren der Eiszeitjäger, erkundet Höhlen und Schluchten und lernt, wie unsere Vorfahren Feuer machten.

Jede der Wanderungen auf der Schwäbischen Alb ist eine individuell gestaltete Zeitreise mit einem eiszeitlichen Themenschwerpunkt. Die Touren tragen Namen wie zum Beispiel "Steine, die Geschichten erzählen" oder "Abenteuer Eiszeit" und sind meist auch für Kinder geeignet.

Mehr Infos:


Überblick über das Touren-Angebot

Die Touren finden an festen Terminen als offene Wanderungen statt. Sie können aber auch individuell als Gruppentour gebucht werden.

Schauhöhlen auf der Alb

Über 2.500 Höhlen sind bislang auf der Schwäbischen Alb bekannt, sechs davon gehören dank der Funde eiszeitlicher Kunst nun auch zum UNESCO Weltkulturerbe. Doch auch ohne Welterbe-Titel sind viele Höhlen auf der Alb unbedingt einen Besuch wert. In Laichingen wartet zum Beispiel Deutschlands tiefste Schauhöhle, die Tiefenhöhle Laichingen. Die Wimsener Höhle bei Hayingen ist als einzige Schauhöhle ständig wasserführend und wird mit einem Kahn befahren. Die Nebelhöhle bei Sonnenbühl-Genkingen ist eine der bekanntesten Ausflugsziele des Landes und begeistert mit prächtigen Tropfsteinformationen.

Fotos:   © Günter Bayerl (gbayerl.com)   •   © H. Jensen, Universität Tübingen   •   © M. Malina, Universität Tübingen   •   © Alb-Donau-Kreis Tourismus   •   © Landratsämter Alb-Donau und Heidenheim / burkert gestaltung   •   © Alb-Guides